Sonntag, 26. Juli 2015

Eine Reise nach Schottland



Ihr Lieben,

nach langen Jahren des Träumens und Schwärmens haben mein Stiefbruder und ich uns einen lange gehegten Wunsch erfüllt - eine Reise ins Land der Kilts, Hochlandrinder und des guten Whiskeys.
11 Tage verbrachten wir dort und dieses herrliche Land übertraf unsere Erwartungen bei Weitem. Auch die Schotten begeisterten uns, waren sie doch alle sehr hilfsbereit, zuvorkommend und freundlich. 
Ursprünglich wollten wir uns Schottlands schönsten und bekanntesten Fernwanderweg erwandern, den West Highland Way. Er führt von Milngavie bei Glasgow 154km zunächst durch die Lowlands, dann mitten in die Highlands hinein und endet in Fort William, nahe des höchsten Berges Großbritanniens, dem Ben Nevis. Nachdem wir die Hälfte geschafft hatten mussten wir unseren Plan ändern, da meine Knie streikten. Und so reisten wir die restlichen 6 Tage quer durchs Land:
Warten Am Flughafen
Die Lowlands bei Dumgoyne
Der Loch Lomond bei Balmaha
Balmaha


Die Reste der Doune Farm. Eines der Gebäude wurde zu einer Bothy, einer Schutzhütte, ausgebaut, in der Wanderer kostenfrei übernachten können. Wir liefen allerdings noch zwei Kilometer weiter und schlugen unser Zelt direkt am See auf.
Die Bothy von Innen
Wild campen am Loch Lomond - In Schottland ist wild zelten (bis auf wenige Ausnahmen) überall erlaubt, solange man außer Sichtweite von Häusern und nicht auf Weideland zeltet. Wichtiges Thema: Die Midges, die schottischen Hochland Mücken. Hochsaison haben diese fruchtfliegengroßen Biester im Juni und Juli. Wir hatten Glück - es gab nur einen Tag, an dem sie uns richtig gequält haben (daher gibt es von diesem Tag keine Fotos). Das Ausmaß kann man sich nicht vorstellen. Sobald man auch nur 20 Sekunden an einer Stelle stehen blieb, fand man sich in einer juckenden, stechenden schwarzen Wolke wieder. Nur Wind hält die Biester ab, Regen kümmert sie nicht. An jenem Abend krochen wir ohne eine warme Mahlzeit und ohne Tee ins Zelt, da draußen sitzen unmöglich war. Am nächsten Morgen brachen wir unser Lager ab und machten uns so schnell wir möglich auf den Weg. Ein Foto von den Stichen erspare ich euch, ich zählte an diesem Morgen ca. 50 Stiche, und das nur an meinen Beinen. Helfen tut angeblich nur ein schottisches Produkt, Avon Skin So Soft Oil.
Unsere Erlebnisse halten wir in einer Chronik fest während die Tütennudeln vor sich hin blubbern. Nach 20km mit 16kg auf dem Rücken in praller Sonne schmeckt auch Tütenessen richtig gut. Die Krönung des Abends waren ein Bad im See und ein heißer Tee am Lagerfeuer. In der Nacht stürmte es gewaltig, der Wind bließ kräftig vom Südende des See zu uns, am Nordende. Erst gegen 3 Uhr nachts fanden wir in einen unruhigen Schlaf, da wir ernsthaft Angst hatten, dass unser Zelt den gewaltigen Kräften des Windes nicht standhalten würde. Aber - alles gut gegangen. Ein paar Tage später erfuhren wir, dass andere nicht so viel Glück hatten. Einer Wandergruppe wurde das Zelt (samt Rucksäcken!) am selben Abend ca. 6 Meter in die Luft gehoben, bevor es wieder eingefangen werden konnte. Umso glücklicher waren wir daher mit unserer Entscheidung, das Zelt nicht an eine andere Stelle versetzt zu haben!


Nachdem wir in Ardlui beschlossen, die Wanderung abzubrechen, fuhren wir die restlichen Kilometer zum Endpunkt des Weges mit dem Bus. Unser Plan, während der zweistündigen Fahrt ein wenig zu schlafen ging nicht auf. Zu beeindruckend war die Fahrt mitten durch die Highlands. Die Straßen waren teilweise so eng, dass wir uns ernsthaft fragten, wie dort bitteschön zwei Reisebusse aneinander vorbeifahren sollen. Aber egal wie eng die Kurve auch schien, es klappte tatsächlich jedes Mal!

Loch Linnhe in Fort William
Das urgemütliche und familiäre Backpackers Hostel in Fort William


Ein besonderes Highlight gönnten wir uns in Fort William: Die Fahrt mit der Jacobite Train von Fort William nach Mallaig - 4 Stunden Fahrt durch atemberaubende Landschaften, stets begleitet vom Stampfen der Dampflok.


Das Glenfinnan Viadukt - ja, das ist das aus den Harry Potter Filmen :)

Loch Shiel


Die Endstation der Fahrt - der kleine Fischerort Maillaig

Zwei Tage verbrachten wir in Stirling, wo William Wallace den britischen Truppen in der berühmten Schlacht von Stirling Bridge 1297 eine vernichtende Niederlage zufügte. Besonders beeindruckend - der Friedhof bei Sonnenuntergang.


Stirling Bridge
Die letzten vier Tage verbrachten wir in der wunderschönen schottischen Hauptstadt Edinburgh

Das Royal Museum in der Chambers Street

Ausblick vom Calton Hill




Auch kulinarisch probierten wir einiges. Hier: Cranachan, das schottische Nationaldessert. Sehr steif geschlagene Sahne, Himbeeren, Honig und in Whisky eingelegte Haferflocken. Unglaublich lecker!


Mit diesem Bild eines Dudelsackspielers auf der Royal Mile schließe ich diesen Bericht. Schottland hat mich zutiefst beeindruckt. Es ist ein sehr vielfältiges, traditionbewusstes und traumhaft schönes Land. Ob blaue sanfte Seen, schroffe Berge, grüne Weiden oder neblige Moorlandschaften - es gibt viel zu entdecken und ich bin nicht das letzte Mal dort gewesen!

Liebe Grüße und noch einen wunderbaren Sonntag wünsche ich euch,
Tanja

Kommentare:

  1. Die offensichtlich sehr schöne Reise wird nur von der Schönheit Deiner Fotos übertroffen ....

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  2. danke für die wundervollen bilder...jetzt hole ich gleich mal mein schottlandalbum raus
    und schwelge noch ein wenig in erinnerungen

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