Montag, 10. Juni 2013

Ausflug in vergangene Zeiten

Letztes Wochenende waren mein Vater und ich wieder auf Tour. Seit vielen Jahren schnappen wir uns Auto und Fotoausrüstung und fahren einfach drauf los. Durch kleine Dörfer, über verschlungene Landstraßen quer durch die Gegend, immer auf der Suche nach schönen Plätzen und Fotomotiven. 
Diese Mal war unser Ziel wieder mal die Eifel, genauer: Der verlassene Ort Staudenhof im Prümtal, südöstlich von Mauel.
Nach einer Fahrt über kleine Landstraßen, vorbei an sattgrünen Wäldern und durch verwunschene Täler fanden wir die Forststraße die (vermutlich) nach Staudenhof führt. Blühende Ginsterbüsche, verwilderte Hecken und alte Obstwiesen begleiteten uns auf unserem 25minütigen Marsch hinunter ins Tal. Schließlich lag Staudenhof vor uns, ein altes Haus, ein paar Wirtschaftsgebäude und das alte Schulhaus.

Ein altes Wegkreuz und ein verlassenes Glas Kirschen. Welche Frau hat wohl die Kirschen eines Sommers eingekocht?

Ein kurzer Exkurs zur Geschichte des Ortes:
Der Aufschwung Staudenhofes begann ab 1760 mit der Ansiedlung von Arbeitern aus dem neugegründeten Eisenwerk Merkeshausen. Mitte des 19. Jahrhunderts begann jedoch mit dem Niedergang des Eisenwerks die Abwanderung aus der Siedlung. Wegen seiner schlechten Verkehrslage und der geringen Größe seiner Gemarkung hatte Staudenhof kaum Entwicklungschancen. 1960 lebte nur noch eine siebenköpfige Familie im Ort. Heute stehen noch ein paar Wirtschaftsgebäude und das mittlerweile wieder bewohnte ehemalige Schulhaus. Von den Arbeiterhäusern ist nichts mehr zu sehen.


Das Haus steht schon seit Jahrzehnten leer und trotzdem spürt man noch den Geist seiner ehemaligen Bewohner. Pflanzen ragen ins Innere, vergilbte Gardinen hängen in den Fenstern und ein alter Holzschrank steht mit geöffneten Türen in einem der Zimmer. Viele Fragen stürzen auf mich ein. Was für Menschen haben hier gelebt, geliebt und gearbeitet? Wann haben sie ihr Zuhause verlassen? Ist ihnen der Abschied schwer gefallen?
In der Küche stehen zurückgelassene Geräte herum und harren ihres Verfalls. Ein Elektrofen, ein Holzofen, ein Kühlschrank. Im Herd stehen Backformen. Stricknadeln in einer Schublade. Welche Frau hat hier für ihre Familie gekocht und gebacken? Hat sie sich über die Anschaffung des Elektroofens gefreut? Haben sich Kinderhände mit dem verkrusteten Stück Seife im Waschbecken gewaschen?

Die Überreste eines Wirtschaftsgebäudes
 
Blick ins Tal. Die Hausecke im unteren Bild gehört zum Schulhaus. Durch die Bäume dringt das Rauschen der Prüm. Wurde hier früher gefischt? Haben Kinder im Sommer im Wasser gespielt und Staudämme gebaut? Hatten die Menschen hier ein gutes Leben?
 

 Nachdenklich verließen wir diesen idyllischen Ort, umweht von dem Hauch vergangener Zeiten. 

Ich wünsche Euch einen schönen Tag!



Kommentare:

  1. Liebe Tanja,
    was für ein verwunschener Ort und irreschöne Fotos, toll, dass du in deinem Vater einen Gleichgesinnten für die Fotografierei hast, find ich super.
    Liebe Grüße von Tatjana

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    1. Liebe Tatjana,
      danke für Deinen Kommentar! Schön, dass Dir auch solche Fotos gefallen!
      Ich genieße das fotografieren mit meinem Vater sehr, er ist derjenige, der mich überhaupt erst zur Fotografie gebracht hat.
      Viele Grüße
      Tanja

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  2. Mal ein ganz anderer, aber umso interessanterer Post und so klasse fotografiert. Gefällt mir wirklich sehr!

    Liebe Grüße,
    Tanja

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    1. Liebe Tanja,
      freut mich sehr, dass Dir auch diese Art Post gefällt, das war ja eine Premiere und ich bin froh, dass es so gut ankommt :)
      Viele Grüße
      Tanja

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  3. Wunderschöpne Fotos von diesem Ort, der einen ein wenig traurig stimmt. Mußten die Bewohner das Haus plötzlich verlassen ? Ist jemand plötzlich gestorben und die Kinder mußten ins Heim ? Viele Fragen tauchen auf...
    Viele Grüße Synnöve

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    1. Hallo Synnöve,
      danke für Deine lieben Worte! Dieser Ort hatte aber auch etwas sehr Schönes, Friedliches, so weit abgeschieden von dem täglichen Trubel.
      Viele Grüße
      Tanja

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  4. Ja ja, das war mal wieder eine (Tor)T(o)ur! Welch ein Abstieg, welch ein Aufstieg! Hast Du gar nicht von berichtet! Hat sich aber gelohnt, nicht war? - Und was ist mit den Pics vom letzten Wochenende? Es herzt Dich Dein Papa!

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  5. Wunderschöne Bilder...
    Wie ich diese nostalgischen Ausflüge liebe...

    LG, Michaela

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  6. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  7. Hallo ! Haben heute mal selbst,nach dem 2.versuch......den Staudenhof aufgesucht........das naiv hat uns doch tatsächlich den Wald und Forstweg hinuntergleitet.......ein mystischer Ort........das alte rote Schulhaus wirkte gepflegt,bewohnt und doch verlassen........ich bin auch immer mal wieder auf der Suche nach verlassenen Orten.........meine Bilder unter.....WWW.flickr.COM.......und WWW.Youtube.de.....Stichwort......Roman greif...........sodann, weiter so und schönen gruss

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  8. Das sind ja wunderschöne Fotos eines "lost places". Der Ort liegt ganz in unserer Nähe und als Kind war ich mit meinen Eltern schon mal dort. Das ist jetzt definitiv demnächst ein Ziel zum Fotografieren.
    LG
    Ingrid

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